„Krank und nicht mehr ausgeliefert“

- Eine grosse Herausforderung: Die neue Pflegefinanzierung
- Operation – Katheter vergessen!
- Spitalinfektionen oder „Stille Killer“ gehen um!

Eine grosse Herausforderung: Die neue Pflegefinanzierung

Das Krankenversicherungsgesetz (KVG) aus dem Jahre 1996 verspricht die volle Kostenübernahme für die Pflege. Bis heute wurde das Gesetz nicht umgesetzt und steht nach wie vor auf der politischen Agenda. Aus Angst vor zu hohen Kosten wurden die Tarife über Jahre eingefroren. Nun hat Bundesbern die Pflegefinanzierung neu geregelt. Jetzt ist es an den Kantonen, die Bundesvorgaben umzusetzen und den verbliebenen Handlungsspielraum zugunsten der pflege-bedürftigen Menschen zu nutzen.

Das Pflegegesetz im Kt. Zürich
Das Pflegegesetz verspricht Transparenz und freie Wahl des Pflegeheims, die Regelung des Graubereichs (s.u.) und es muss von einer höheren Kostenbeteiligung an Pflege und Betreuung für die pflegebedürftigen Menschen ausgegangen werden. Doch wie das Gesetz schliesslich ausgestaltet sein wird, werden die bereits angelaufenen Beratungen der kantonsrätlichen Kommission zeigen. Das Ergebnis soll noch diesen Herbst dem Kantonsrat vorgelegt werden. Vorerst aber gilt es, Verbesserungen insbesondere bei der Hilflosenentschädigung, der Position Betreuung und bei der vorgesehenen Kostenbeteiligung für die Spitex inklusive spezialisierte Spitex zu erwirken.

Zwei Bereiche beschäftigen besonders:

1. Hilflosenentschädigung (HE)
Die Hilflosenentschädigung ist unabhängig vom Einkommen und Vermögen und richtet sich nur nach dem Grad der Pflege-bedürftigkeit. Sie soll eine kleine Zusatzpflege ermöglichen, etwa einen Aufenthalt im Freien oder eine Sitznachtwache. Obwohl vom Gesetz nicht vorgesehen, beanspruchen einige Heime die HE für sich. In der Regel ist die Abtretung im Heimvertrag festgelegt, der beim Eintritt unterzeichnet werden muss.

2. Position Betreuung:
Das Gesetz regelt die Finanzierung für Pflege und Betreuung abschliessend und für alle verbindlich. Neu wird die Pflege schweizweit einheitlich in ein Pflegeeinteilungssystem mit 12 Stufen eingeteilt. Somit ist auf Bundesebene eindeutig geregelt, was als Pflege und was als Betreuung gilt, doch der Alltag zeigt, dass die Grenzen oft fliessend sind. Wenn nun die Rechnungsstellung in den Pflegeheimen je eine Position für Pflege und für Betreuung vorsieht, erhalten die Verantwortlichen grossen Spielraum, Kosten für die Pflege auf die Position Betreuung abzuwälzen.
Heute werden in den Heimen Leistungen unterschiedlich in Rechnung gestellt. Auch in Zukunft sind Unterschiede zu erwarten, aber es wird transparenter. Wir setzen uns dafür ein, dass bei der Betreuung eine Obergrenze festgelegt wird.

Wahlfreiheit
Auch wenn die freie Wahl des Heims zugesichert wird – in der Praxis ist diese nicht selten eingeschränkt durch die äusseren Bedingungen wie Wohnort von Angehörigen, Orts-verbundenheit, oder das Vorhandensein von bestimmten Krankheiten. Es wurde argumentiert, die unter Betreuung aufgeführten Leistungen seien ja freiwillig und somit kalkulier- oder vermeidbar.
Doch wenn zum Beispiel in einem Heim bestimmte Betreuungsleistungen aus Gründen der Sicher-heit als notwendig erachtet werden, endet die Freiwilligkeit.

Spitex: Kostenbeteiligung
Gemäss KVG werden von der Grundversicherung pro Quartal bis 60 Stunden Spitex übernom-men. Wer mehr Pflege benötigt, muss dies vom Vertrauensarzt der Versicherung überprüfen und bewilligen lassen. Die neue Regelung sieht vor, dass sich pflegebedürftige Personen nun an den Kosten beteiligen.

Ambulant vor stationär!
Das Pflegegesetz geht vom Grundsatz „ambulant vor stationär“ aus – doch dazu passt die vorgesehene Kostenbe-teiligung nicht! Zudem erachten wir dies auch als den falschen Ansatz: Jede Person soll dort leben können, wo ihre Lebensqualität am grössten ist.

Wie weiter?
Selbstverständlich setzen wir uns vehement für die Verbesserungen im Gesetz ein. Wie erfolgreich wir sein werden, lassen wir Sie gerne später wissen. Denn bei Erscheinen dieses Bulletins werden die Beratungen bereits weit fortgeschritten sein, so dass im Bulletin vom Oktober klarere Aussagen möglich sein sollten.

Erika Ziltener,
Mitglied der Kommission für Soziale Sicherheit und Gesundheit des Kantons Zürich

Operation – Katheter vergessen!

Frau T. litt vor etwas mehr als 10 Jahren an einer Funktionsverminderung einer Niere. Die Nierenerkrankung hatte eine Operation, bei der die Niere entfernt werden musste, zur Folge. Seit diesem Eingriff litt Frau T. unter starken Beschwerden. Wohl hatte sie diese einige Male abklären lassen, ohne jedoch je einen Befund zu erhalten.
Eines Tages hatte sie beim Wasserlösen starke Schmerzen. Als sie den Grund für ihre Schmerzen fand, traute sie ihren Augen kaum: Sie hatte einen Teil eines im Körper vergessenen Katheters ausgeschieden. Die sofort veranlasste Computer-Tomographie (CT) bestätigte die Befürchtung: Sie zeigte noch ein weiteres zurückgelassenes Ka-theterteil!
Frau T. wandte sich an uns.

Was war geschehen?
Vor der Operation musste die Erkrankung mit Hilfe einer Katheter-Einlage im Spital untersucht werden. Für die eigentliche Operation wurde Frau T. in eine Spezialklinik überwiesen. Die Entfernung der Niere verlief komplikationslos, jedoch stellten sich kurz danach diffuse Beschwerden ein. Dem Operateur war die Krankengeschichte von Frau T. selbstverständlich bekannt; auch dass eine Katheter-Untersuchung stattgefunden hatte. Der Katheter wird im Anästhesie-Protokoll ausdrücklich erwähnt.

Folglich müssen wir davon ausgehen, dass der Operateur den Katheter bei der Operation nicht vollständig entfernt hatte. Diese Annahme wurde 2010 durch das bildgebende Verfahren (CT) bewiesen und dokumentiert. Der Befund war eindeutig, die Sachlage klar. Somit war der Zusammenhang zwischen Fehler (der vergessene Katheter) und durch diesen Fehler erlittenem Gesundheitsschaden (die andauernden Beschwerden) klar und nachvollziehbar. An sich eine einfache Sache, hier die Sorgfaltspflichtverletzung zu beweisen und eine Zahlung insbesondere einer Genugtuung zu erwirken. Sollte man meinen – doch weit gefehlt.

Die Ursache der Beschwerden wurde erst 2010 erkannt. Die absolute Verjährung, die nach zehn Jahren eintritt, war zu diesem Zeitpunkt bereits eingetreten. Wäre Frau T. für eine – eigentlich übliche – Nachkontrolle in der Spezialklinik aufgeboten worden, wäre die Verjährung un-terbrochen worden und neu erst ab Datum der Nachkontrolle gelaufen, und die Verjährung im vorliegenden Fall noch nicht eingetreten.
Wir appellierten daher an die Kulanz der Klinik-verantwortlichen und erwirkten eine kleine Genugtuung. Doch: Nicht nur steht die Genugtuung in keinem Verhältnis zum erlittenen Gesundheitsschaden; sie ist auch noch an die Einwilligung geknüpft, dass sich Frau T. nicht an die Medien wenden darf.

Achtung:
Wenn Sie davon ausgehen, dass bei Ihnen ein Fehler passiert ist, empfehlen wir Ihnen so bald wie möglich ein Beratungsgespräch, bei dem auch die Verjährungsfristen abgeklärt werden. Dies auch, weil die Verjährungsfristen vom Spital, Kanton und der Rechtsform abhängig sind.

Spitalinfektionen oder „Stille Killer“ gehen um!

Immer wieder sind wir an den Patientenstellen mit Patientinnen und Patienten konfrontiert, die Opfer einer Infektion geworden sind. Das Leiden der Patientinnen und Patienten ist gross und wäre oft nicht nötig. Deshalb enga-gieren wir uns seit vielen Jahren auf verschiedenen Ebenen im Kampf gegen Spitalinfektionen.
Wir haben im Nationalrat einen Vorstoss eingereicht, mit dem wir die Umkehr der Beweislast bei Spitalinfektionen verlangen. (Vgl. frühere Bulletins).
Wir fordern im Falle einer betroffenen Patientin die Verant-wortlichen des Spitals auf, uns zu beweisen, dass sie alles Mögliche unternommen haben um die Infektionen zu vermeiden.
Wir recherchieren zum Thema, vernetzen uns und schauen auch ins nahe Ausland. So besuchte ich im Mai eine sehr interessante Hygiene-Tagung in Düsseldorf. Es gab spannenden Neuigkeiten – beispielsweise vom Vertreter aus Frankreich – und ich konnte wichtige Kontakte knüpfen.

Es reicht noch lange nicht!
Doch das alles reicht noch lange nicht. Wir müssen und wollen neue Wege beschreiten. Uns liegt daran, breit über die Problematik der mangelnden Hygiene aufmerksam zu machen und das Bewusstsein dafür in der Bevölkerung zu wecken.

Aufruf!

Sollten Sie oder jemand in Ihrem Umfeld von einer Infektion betroffen sein, bitten wir Sie, sich bei uns zu melden. Wir möchten uns gemeinsam mit Ihnen im Kampf gegen Spitalinfektionen wehren.

Öffentlichkeit tut Not!
In Erinnerung an Robert Koch machte das Fernsehen mit verschiedenen Sendebeiträgen unter dem Titel „Stille Killer“ auf das riesige Problem der Spitalinfektionen aufmerksam.

Sechs erste Fragen zum Thema Spitalinfektionen

1. Wie können Infektionen künftig erfolgreich behandelt werden, wenn immer mehr Erreger gegen Antibiotika resistent werden?
Die Antwort auf diese Frage ist nicht nur vielfältig, sondern stellt die Medizin vor sehr grosse Herausforderungen. In erster Linie ist das Einhalten der verschiedenen Hygienemassnahmen und der richtige Einsatz von Medikamenten zwingend.

2. Was sind nosokomiale Infektionen und wofür steht MRSA?
Nosokomiale Infektion steht für „im Spital erworbene Infektionen“.
Die Abkürzung MRSA steht für methizillinresistente Staphylo-cocci aurei. Der Begriff MRSA kommt von Methizillin-Resistenz und nicht von Multi-Resistenz. Laienhaft ausgedrückt ist der Keim gegen bestimmte Antibiotika resistent geworden.

3. Ist MRSA eine Erkrankung?
Die Staphylococce ist zunächst keine Krankheit, sondern vielmehr ein Keim, der häufig vorkommt und den jede und jeder mit sich herumtragen kann.
Die Staphylococce ist ein klassischer Eiterkeim, der in Wundvereiterungen, Furunkeln Zahntaschenentzündungen, Hautekzemen, oder in Pickeln vorkommen kann. Der Körper versucht diesen Keim in Form von Verkapselung oder Abson-derung abzuwehren, was bei einem intakten Abwehrsystem des Körpers (Immunsystem) meist problemlos ist.

5. Wo befindet sich die Staphylococce in der Regel?
Die Staphylococce neigt zur Besiedlung von Hautflächen, besonders gerne sitzt sie auf Schleimhäuten. So kommt es, dass bei ca. 30% gesunder Menschen durch Abstrichunter-suchungen der Nasenschleimhaut der Keim nachgewiesen werden kann. Meist parallel dazu lassen sich Besiedlungen an vielen anderen Körperstellen wie z.B. auf der Stirn, an der vorderen und hinteren Schweißrinne und in den Axelhöhlen nachweisen.

6. Wie gelangen Bakterien in den Körper?
Bakterien gelangen meist durch einen Eingriff in den Körper; sei dies durch eine Operation, durch diverse Katheter einlagen, Spritzen und mangelnde Händehygiene etc.