„Krank und nicht mehr ausgeliefert“

Jetzt ist die richtige Zeit, die Policen der Zusatzversicherungen zu überprüfen. Immer wieder entdecken wir, dass Menschen Prämien für Versicherungen entrichten müssen, die gar nie Leistungen auslösen können oder nicht den persönlichen Verhältnissen angepasst sind: Bettlägerige Patientinnen mit Versicherungen für ausländischen Spitalaufenthalt, Taggeld-versicherung für betagte Menschen über 70 Jahre, Hausratversicherung für ausländische Studierende, die ein Zimmer in einem Haushalt mieten, Zahnversicherung von betagten Menschen, welche den Bedürfnissen nicht mehr entsprechen, Mehrfachversicherung des gleichen Risikos.

Unübersichtlicher Versicherungsmarkt
Diese und weitere Beispiele zeigen auf, dass auf dem Markt viele Verträge im Umlauf sind, die für die Versicherten "wertlose" Versicherungen enthalten. Durch die Unübersichtlichkeit der Angebote, die Überredungskunst von Vertretern und Maklern oder wegen der Überforderung betagter, fremdsprachiger, unerfahrener oder gesundheitlich eingeschränkter Personen werden Verträge abgeschlossen oder gehalten, die ihnen nie Nutzen erbringen können. Die Verantwortung dafür wird immer alleine den Versicherten zugeschoben und die Versicherer berufen sich auf die Vertragsfreiheit. Aus unserer Sicht widerspricht das mindestens dem Grundsatz von Treu und Glauben.

Politische Ebene
Mit einem Vorstoss im Nationalrat in der Sommersession 2015 soll mittels einer Gesetzesänderung unterbunden werden, dass Verträge im Wissen ihrer Untauglichkeit angeboten, verkauft oder weitergeführt werden. Abgelaufene Versicherungen, beispielsweise bei Eintritt ins Pensionsalter, sollten automatisch gelöscht und insbesondere die Prämieneinforderung eingestellt werden dürfen. Damit würde die Sorgfaltspflicht der Anbieter erhöht und die Versicherten wären vor ungerechtfertigten Zahlungen eher geschützt. Weiter ist die Rückerstattung von unter den geschilderten Umständen bezahlten Prämien verbindlich zu regeln.